Kunstturnen Frauen

Portrait Carina Fürst

Schweizer Nationalkader

 

Mit dem Klimmzug am Türrahmen zum Kunstturnen

 

Was tut man als Vater einer vierköpfigen Kinderschar mit eigenem Rebbaubetrieb im Fricktal, wenn einem die sechsjährige Tochter täglich in den Ohren liegt, endlich ins Kunstturntraining nach Stein gefahren zu werden.? Man stellt eine Bedingung, setzt diese Hürde möglichst hoch und hofft, die Kindergärtnerin werde sich bald Neuem zuwenden, und dem geschäftigen Familienalltag die Trainingsfahrten ersparen.  Vater Daniel Fürst hatte aber 1997 die Rechnung ohne seine Tochter Carina gemacht. In kürzester Zeit schaffte sie die verlangten Klimmzüge am Türrahmen der Küche im Rebgut Stiftshalde in Hornussen und bekam ihren Wunsch erfüllt. Das Training in der Kunst-turnerinnenriege Stein – Fricktal konnte beginnen. Und alle Mitglieder der Familie Fürst begannen zu lernen, ihre Tagespläne auf die Bedürfnisse ihrer Tochter und Schwester einzustellen. Für die junge Turnerin war vor allem Anfang an klar, sie wollte zuoberst aufs Podest, sie wollte die Beste werden. Im ersten Wettkampf nach nur zwei Monaten Training reichte es zwar nur für den zweitletzten Platz, aber danach ging es bergauf.

Mit der Eröffnung des Aargauer Turn-zentrums  wurde der Weg in die nationalen Kader geöffnet. Carina Fürst schaffte sofort den Einstieg ins Nachwuchskader und bestätigte im Jahre 2000 den halb-professionellen Weg der Kunstturnerinnen im Regionalen Leistungszentrum Niederlenz mit dem Gewinn der ersten Aargauer Medaille an Schweizer Meisterschaften  seit Jahren. 2003 folgte der Meistertitel am Barren bei den Juniorinnen und erste internationale Einsätze. 2004 dann der grosse Auftritt in Amsterdam an den Europameisterschaf- ten der Juniorinnen. Der Auftritt auf dem Podium in der riesigen Sporthalle und vor viel Publikum beeindruckten Carina Fürst nachhaltig und waren gleichzeitig auch der Lohn für ein Leben ausgerichtet auf Leistungssport.

Kunstturnen ist von frühen Kindsbeinen an eine trainingintensive Sportart. Schon Sechsjährige brauchen wöchentlich mehrere Trainingseinheiten. Reichen Wille, Talent und Ausdauer für eine internationale Ausrichtung, so muss täglich intensiv trainiert werden. Carina Fürst war eine der ersten Aargauer Sportlerinnen, die von der Kantonalen Verordnung für Schülerinnen mit besonderen Begabungen profitierte. Aufmerksame Lehrkräfte, unterstützende Behörden  und Beistand aus dem Departement BKS machten mit einem angepassten Schulprogramm ihre Karriere erst möglich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute ist die 16-Jährige Carina Fürst im Nationalkader. Sie lebt seit einem Jahr unter der Woche in Biel und trainiert täglich im Leistungszentrum Magglingen. Daneben besucht sie die Wirtschaftsmittelschule. Der Wechsel vom Fricktal nach Magglingen, vom Elternhaus zur Gastfamilie, vom Trainerehepaar Viktorija und Renato Gojkovic in Niederlenz zu den Nationaltrainern Cécile und Eric Demay, von Deutsch zu Französisch als Umgangsprache  ist Carina Fürst nicht leicht gefallen. Heute gefällt es ihr im Jura und sie hat turnerisch enorme Fortschritte erzielt.

Momentan ist sie in Griechenland und nimmt als Mitglied des Eliteteams an den Europameisterschaften in Volos teil. Dieser Einsatz an  internationalen Meisterschaften kommt sehr früh, Carina Fürst hat erst vor sechs Wochen das verlangte Alter in der Kategorie Elite erreicht. Da sich die zweite Aargauerin in Magglingen, Sabina Flückiger aus Effingen, im Winter einen Knochenriss zugezogen hat, unterstützt Carina Fürst ihre Teamkolleginnen Ariella Kaeslin, Danielle Englert, Melanie Marti und Linda Stämpfli an der EM. Laut Eric Demay hätte man ihr gerne noch etwas mehr Zeit zum Aufbau von erschwerten Uebungen gegeben. Carina Fürst hat aber in den vergangenen Monaten in den USA, Frankreich und vor allem in Oesterreich an Wettkämpfen gezeigt, dass sie vor allem am Sprung und an ihrem Lieblingsgerät, dem Balken über stabile Uebungen verfügt. Ob sie an diesen beiden Geräten zum Einsatz kommen wird, entscheidet der Nationaltrainer nach dem Podiumstraining am Mittwoch.

Am Donnerstag, 27. April  findet der Mannschaftswettkampf Elite statt. Die Zielvorgabe des STV ist eine Platzierung unter den 10 Teams. Sollten es die Schweizerinnen gar unter die ersten Acht schaffen, wären sie auch am Samstag im Final dabei, wenn dann der Titel vergeben wird. Für die Gerätefinals am Sonntag ist vor allem der Luzernerin Ariella Kaeslin eine Chance im Sprungfinal zuzutrauen. Melanie Marti wird eine Nominierung am Barren anstreben.

Im Team der Juniorinnen fehlen die beiden starken Aargauerinnen Minu Krasniqi und Jennifer Senn. Der Europäische Turnverband hat die Alterslimite im Herbst 2005 erhöht, so starten Laura Alzina, Sylvia Hitz, Lucia Tacchelli, Margaux Voillat und Yasmin Zimmermann in Volos.

 

 

(Margot Wiederkehr)